| Die Truppe |
| Heeresaufklärer - eine neue Truppengattung entsteht |
| 06.12.2005 - 11:54 |
Glaubte man lange Zeit daran, dass alleine durch die ständige Verbesserung der Feuerkraft Gefechte zu gewinnen seien, unterstellte man zudem einem potentiellen Gegner mangelndes Verständnis für das Gefecht der verbundenen Waffen oder mangelndes Vermögen in der Kunst zu improvisieren, dann ließ man sich durch eigenes oder gegnerisches schablonenhaftes Verhalten dazu verleiten, vorausschauende, alle Möglichkeiten des Handeins abdeckende Aufklärung in nur noch reduziertem Umfang durchzuführen.
Kräfte bündeln und neu ausrichten
Nicht erst die finanziellen Engpässe der letzten Jahre im Verteidigungshaushalt zwangen zu einem Umdenken, dies vor allem unter dem Aspekt der Vermeidung von Redundanzen. Sie sind, zusammen mit der Veränderung des Aufgabenspektrums entwicklungsbestimmende Faktoren, die letztlich zu einem fähigkeits- und wirkungsorientierten Ansatz in der Konzeption der Bundeswehr geführt haben.
Insbesondere aber auch die Erkenntnisse über eine völlig veränderte, also asymmetrische Kriegsführung auf einem Gefechtsfeld, dass nur noch mit größter Mühe begrenzt werden kann, haben dieses Umdenken nachhaltig beeinflusst bzw. bewirkt und dazu geführt, dass bereits eingeführte Systeme neu betrachtet und anders als ursprünglich geplant eingesetzt wurden. Es ist somit nur folgerichtig, wo nötig, von alten Strukturen Abstand zu nehmen, Kräfte zu bündeln oder neu auszurichten.
Viel mehr als je zuvor, muss man daher heute Lage- und Zielaufklärung als Verbund sehen, der zur Informationsüberlegenheit als Basis für Führungsüberlegenheit beiträgt und bei dem sowohl der streitkräftegemeinsame Ansatz der Bundeswehr als auch die multinationale Einbindung berücksichtigt werden muss. Kann nicht sogar ein Einzelziel möglicherweise eine strategische Bedeutung haben, wenn wir z.B. an die Selbstmordattentäter des Anschlages auf die Verkehrssysteme in London zu Anfang des Monats Juli dieses Jahres denken?
So müssen sowohl Aufklärungsmittel der verschiedenen Führungsebenen als auch die Ziel- und Lageaufklärung im (streitkräftegemeinsamen /multinationalen} Verbund arbeiten, um möglichst lückenlos wirken zu können.
Doppelte Kapazitäten, nach dem Prinzip wir müssen autark bleiben, sollten vermieden werden. Andererseits muss aber eine Überlappung gegeben sein, weil nur dann eine Aufklärungsmeldung Anspruch auf Glaubwürdigkeit entwickeln kann, also Tatsache wird, wenn sie von zweiter und unabhängiger Seite bestätigt wird.
Aufklärungsverbund
Das deutsche Heer hat die Notwendigkeit eines Aufklärungsverbundes erkannt und in den letzten Jahren in kleinen Schritten realisiert. Dieser Prozess wurde stark beschleunigt durch die zuvor erwähnten Versuche der Optimierung. Nicht nur Reduzierungen des Umfanges der Streitkräfte bzw. Truppengattungen, sondern speziell die diese Kürzungen auslösende verringerte Finanzausstattung waren dafür Ursache. So wurden Lösungen gesucht, um mit dem nur einmal auszugebenden Geld weiterhin ausreichende Aufklärungsergebnisse erzielen zu können. Durch die Entwicklung immer teurer werdender Systeme der luftgestützten oder sensorischen Aufklärung, wie z.B. Drohne CL 289, LUNA und Aladin, und der Verwendung dieser Systeme in "Peace Support Operations" mussten diese Mittel anders als bisher geplant genutzt werden. So z.B. im Kosovo oder Mazedonien, wo ursprünglich für die Artillerietruppe vorgesehene Systeme nun mehr oder weniger ausschließlich Lageaufklärung betreiben.
Auch unter dem Aspekt der Doppelrolle wurden z.B. Artillerie-Beobachter für "allgemeine" Aufgaben der Aufklärurig verwendet. Musste dann tatsächlich von der schießenden Artillerie doch Gebrauch gemacht werden, wechselten die Mittel verzugslos ihre Aufgabe bzw. Rolle. So verwundert es nicht, dass der ursprünglich "nur" für die Panzeraufklärer als Nachfolger für den Luchs vorgesehene Fennek zuerst an die Artillerietruppe ausgeliefert wurde, da sich das für GDP-Szenarien konzipierte Gefechtsfahrzeug M113-Beob auf dem Balkan und unter den derartigen Bedingungen als unbrauchbar erwies.
So war es nahezu auf der Hand liegend, bei weiteren Nachbesserungen der kontinuierlich gewachsenen und an einem Gefechtszenario orientierten Strukturen des Heeres daran zu denken, alle oder zumindest die wichtigsten Mittel der Aufklärung in einem Verbund ggf. sogar Verband zusammen zu bringen.
Diese Idee wurde in den letzten Jahrzehnten immer wieder aufs Tapet gebracht. Denken wir hier an die Überlegungen zu einem Aufklärungsregiment in der Heeresstruktur 4, das an kleinmütigem Personalgezerre zwischen PzAufklärern, Artilleristen und Fernmelde-Aufklärern scheiterte
In der Transformation des Heeres geht es aber dieses Mal nicht mehr um eine stillschweigende Vergrößerung der Panzeraufklärungstruppe oder einer anderen Truppengattung; nein, dieses Mal wird eine völlig neue Truppengattung geschaffen und nun aufgebaut. Dazu müssen bei den Betroffenen überkommene Einstellungen und Erfahrungen verändert und Mauern in den Gehirnen niedergerissen werden, gewachsene Vorstellungen und Erwartungen verändert und ausschließlich der zu erreichende Zweck d.h. die Effizienzsteigerung in einem funktionalen Aufgabengebiet des Heeres im Auge behalten werden.
Heeresaufklärungtruppe
Die Heeresaufklärungstruppe umfasst zukünftig die Panzeraufklärungstruppe einschließlich der Luftlandeaufklärungseinheiten, die Fernspähkräfte, die Feldnachrichtenkräfte sowie Kräfte der luftgestützten unbemannten abbildenden Aufklärung, die den Aufklärungsverbänden und -einheiten zugeordnet sind. Die Heeresaufklärungstruppe wirkt durch bodengebundene und luftgestützte Lageaufklärung und ist ein wesentlicher Träger der Nachrichtengewinnung und Aufklärung im Heer.
Sie verschafft den Truppenführern des Heeres aufgaben- und ebenengerechte Aufklärungsergebnisse zur Erfüllung ihrer Aufträge und trägt zur Informations- und Bedarfsermittlung im streitkräftegemeinsamen Verbund bei. Damit stellt die Heeresaufklärungstruppe wesentliche Beiträge als Voraussetzung einer erfolgreichen vernetzten streitkräftegemeinsamen Operationsführung bereit. Die aufzustellenden Aufklärungsverbände und -einheiten fassen Aufklärungsfähigkeiten der Panzeraufklärungstruppe, der Feldnachrichtentruppe und der luftgestützten unbemannten abbildenden Aufklärung zusammen.
Es gibt also in Zukunft keine Panzerspähwagen-, Kradschützen-, Kavallerie-, Feldnachrichten-, Radar- oder UAV-Nostalgie mehr. Es gibt nur noch eine Truppengattung Heeresaufklärungstruppe, die in Kürze dieses Fähigkeitsspektrum des Heeres noch nicht komplett, aber schon in relativ großer Bandbreite abdecken wird.
Um dieses sichtbar deutlich zu machen, werden die "alten" Panzeraufklärer bei der Truppengattungsbezeichnung auch auf den Namensbestandteil "Panzer" zu verzichten haben. Anders aber als bei heute gelegentlich vorgenommenen Namensänderungen, wird damit kein Etikettenschwindel betrieben und auch nicht alter Wein in neuen Schläuchen verkauft werden. Nein, hier entsteht etwas völlig Neues und Einmaliges, was es bisher noch nicht gab.
So kann man diese für das Heer schon entschiedene Organisationsänderung als großartige Chance begrüßen, welche weitere Entwicklungsmöglichkeiten fast ohne Grenzen ermöglicht.
H Fugger: Durch Aufklärung ein neues Gefechtsfeld - eine neue Truppengattung entsteht; InfoBrief Heer 2005 (5): 9-10 |
Brigadegeneral Harald Fugger, StvDivKdr. 13. PzGrenDiv |
gedruckt am 09.09.2010 - 13:02 |
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| http://www.pzaufkl.de/include.php?path=content/content.php&contentid=55 |
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