Der Totenkopf der Husaren – eine umstrittene Tradition

Der Totenkopf wurde bereits im 16. Jahrhundert von ungarischen, dann polnischen und später preußischen Reitertruppen auf ihren Pelzmützen getragen. „Totenkopfhusaren“ war die populäre Bezeichnung für das Braunschweigische Husaren-Regiment Nr. 17 und für das 1. und 2. Leib-Husaren-Regiment in Danzig (Langfuhr) wegen des an den Pelz- und Tuchmützen getragenen Totenkopfes, der ein altes Wahrzeichen dafür sein soll, dass sie weder Pardon nehmen noch geben. Sie sind nicht zu verwechseln mit den „Der ganze Tod“ genannten Belling’schen Husaren, die ein vollständiges Skelett mit der Umschrift „vincere, aut mori“ („siegen oder sterben“) an der Mütze trugen. Ebenfalls einen Totenkopf trug das Braunschweigische Husaren-Regiment Nr. 17

 

Warum war die Uniform der Leibhusaren schwarz? Warum die Totenköpfe?

Zur Uniform des Regiments sei das Tuch benutzt worden, womit der Saal ausgeschlagen war, in welchem die 1740 Leiche des Königs Friedrich Wilhelm I auf dem Paradebette gelegen habe. Dieser Saal sei mit weiß gestickten Totenköpfen dekoriert gewesen, daher stamme der Totenkopf. In dessen Angedenken übernahm das am 9. August 1741 ins Leben gerufene 5. Husaren-Regiment (am 5. September 1741 im Lager von Göttun bei Brandenburg an der Havel unter Major von Mackenrodt zusammengestellt) eine schwarze Uniform mit Totenkopf an der Kopfbedeckung.

Andere Deutung: Die Mönche des Klosters Leubus hatten 1740 mit den Österreichern paktiert und sollten bestraft werden, indem sie die Kosten zur Errichtung des Regiments als Strafgelder und deren Ausstattung mit Waren des Klosters übernehmen mussten. Im Kloster wurden vorwiegend schwarze Stoffe mit weißen Totenköpfen zur Verwendung als Bahrtücher hergestellt. Da Preußen als nicht sehr reiches Land galt und bei der Erstellung neuer Truppenteile erwiesenermaßen oftmals improvisiert hat und schwarze Stoffe recht einfach zu färben (und daher billiger) waren, sind beide Variationen nicht gänzlich unmöglich, letztere scheint jedoch der Wahrscheinlichkeit näher zu kommen.

Offizier und Trompeter des LHR 1

Bei der Reorganisation des Preußischen Heeres wurde dem Regiment in Anerkennung der bisherigen Verdienste mit ACO vom 7.9.1808 der Name „Leibhusaren Regiment“ und Garde-Status verliehen. Wegen der Neugliederung des Heeres wurde das Regiment am 20.12.1808 in das 1. und 2. Leibhusaren-Regiment geteilt.

Prinzessin Victoria Luise in der Uniform des LHR 2

Das Leibhusaren-Regiment Nr. 1 und das Leibhusaren-Regiment Nr. 2 lagen in Danzig-Langefuhr in Garnison und hatten schwarze Bekleidung. Ihr markantes Merkmal war der Totenkopf an der Pelzmütze.

Der Totenkopf des Husarenregiments Nr. 17

Herzog Ernst August von Braunschweig in der Uniform der Braunscweiger Husaren

Das Herzogtum Braunschweig folgte 1809: Der Totenkopf wurde vom Husarenregiment Nr. 17 und vom Infanterieregiment 92 übernommen. Der Braunschweiger Totenkopf unterscheidet sich vom preußischen: Der Schädel schaut geradeaus und ist über den gekreuzten Knochen positioniert.

In den Freiheitskriegen um 1813 finden wir den Totenkopf auf den Mützen der Schillschen-, bzw. Lützowschen Jäger. Bedeutende Angehörige dieser Freischaren: Jahn, Körner, Friesen. 
Ab dieser Zeit wurde der Totenkopf von deutschen Husaren bis 1918 getragen.

 

Erster Weltkrieg: Der Totenkopf als Abzeichen von Elite- und Sondereinheiten

Im Ersten Weltkrieg wurde der Totenkopf als Verbandsabzeichen von einer Vielzahl deutscher Einheiten benutzt – vor allem von Sturmtruppen, Flammenwerfertrupps und Panzereinheiten. Einige Piloten, darunter das Fliegerass Leutnant Georg von Hantelmann (der zuvor bei den 17er Husaren gedient hatte)  benutzten Varianten des Totenkopfs als persönliches Abzeichen.

 

Weimarer Zeit: Der Totenkopf der Freikorps und der SS

Gleich nach dem Ende der Kämpfe 1918 tauchte der Totenkopf wieder auf – diesmal auf den Helmen und Fahrzeugen einiger Freikorps. Nicht zuletzt dadurch wurde der Totenkopf nicht nur zum Symbol des Kämpfertums und Selbstaufopferung, sondern auch für militaristischem Traditionalismus, Anti-Liberalismus und Anti-Bolschewismus. Nationalistische Veteranen trugen Totenkopf-Ringe, -Manschettenknöpfe und andere privat gefertigte Schmuckstücke zur Zivilkleidung.

Totenkopf der SS

1923 wurde der Totenkopf vom Stoßtrupp Hitler verwendet, der späteren Stabswache, der Keimzelle der später aufgestellten Schutz-Staffel SS. Entstanden war die SS als Leibwache Hitlers und als zu seiner direkten Verfügung stehenden Garde, die sich in ihrer Symbolik allmählich an die Totenkopf-Husaren der alten kaiserlichen Armee anlehnte. Es überrascht nicht, dass die Mitglieder des Stoßtrupp Adolf Hitler den Totenkopf nur zu gerne als ihr Erkennungszeichen wählten. Anfänglich orderten sie eine kleine Anzahl von Mützenabzeichen aus dem Militärbedarf. Ihre Nachfolger, die SS beauftragte die Firma Deschler in München mit der Massenproduktion des Totenkopfs im preußischen Stil, den sie als Mützenabzeichen die nächsten 11 Jahre trugen. Als Hitlers persönliche Garde gerierten sie sich als Nachfolger der kaiserlichen Leibhusaren, die als „schwarze Totenkopfhusaren“ bekannt waren.

Von allen Symbolen, die die SS verwendete, bleibt der Totenkopf am stärksten im Bewußtsein – er wurde zu einem Symbol des Dritten Reiches. Es wurde oft vermutet, der Totenkopf sei von der SS nur gewählt, um Schrecken zu verbreiten – dabei war er eine direkte und emotionale Verbindung zur Vergangenheit und ganz besonders zu den militärischen Eliteeinheiten des Kaiserreichs. Und damit auch ein Statussymbol für die, die ihn trugen.

 

Zum Verwechseln: Der Totenkopf der neuen Panzertruppe

Totenköpfe der Panzertruppe

Die Leibhusaren-Husaren Tradition führte – wohl in bewusster Konkurrenz zur SS – auch die Wehrmacht weiter: 1934 wurde für die neuaufgestellte Panzertruppe eine schwarze Sonderbekleidung eingeführt, die den beengten und öligen Verhältnissen in einem Panzer Rechnung tragen sollte. Zeitgleich wurde der preußische Totenkopf auch als Elite-Abzeichen der neuen Panzereinheiten eingeführt (die ja die ideellen Nachfolger der kaiserlichen Kavallerieregimenter waren) – die Kragenpatten wurden von einem weißen (bzw. silbernen) Totenkopf geziert. Damit wurde sowohl eine Tradition der ersten deutschen Kampfwagen-Besatzungen aufgegriffen, die oftmals einen Totenkopf auf ihr Fahrzeug malten, als auch an die „Totenkopf-Husaren“ erinnert.

 

Traditionsabzeichen bei der Wehrmacht

Sowohl der Totenkopf der Leibhusaren wie auch der der Braunschweiger Husaren gehörten bei der Wehrmacht (neben dem Schwedter Adler) zu den sog. Traditionsabzeichen, die von den Angehörigen einiger traditionsreicher Einheiten an der Mütze getragen werden durften.

Es soll hier nicht unerwähnt bleiben, dass der Totenkopf auch von verschiedenen Wehrmachtseinheiten getragen wurde, so vom Kavallerieregiment 5, dem Infanterieregiment 17, der Luftwaffen Schleppgruppe 4 und der Kampfgruppe 5. Wegen ihrer direkten Beziehung zu Danzig, wo die Preußischen Leibhusaren bis 1918 stationiert waren, wurde der Totenkopf auch das Abzeichen des Küstenschutzes Danzig, der SS-Heimwehr Danzig und der Danziger Polizei und Feuerwehr.

 
Nur kurz: Der Totenkopf bei der Bundeswehr

Husarenkaserne Brauschweig vor 1980 mit dem alten Wappen des PzAufklBtl 1

Die Tradition des Braunschweiger Totenkopfs wurde auch bei der Bundeswehr halb offiziell weitergeführt: Das PzAufklBtl 1 in Brauschweig hatte bis 1980 als Verbandswappen eine schwarze Satteltasche mit dem Braunschweiger Totenkopf.

(Foto: Bundeswehrsoldaten in Traditionsuniformen der 17er Husaren vor der Kaserne mit dem alten Wappen des PzAufklBtl 1 – dem 17er-Totenkopf auf einer schwarzen Satteltasche)

Dieser wurde von einigen Vorgesetzten als nicht mehr zeitgemäß empfunden und 1980 durch den Luchskopf ersetzt. Hptm.d.R. v. Heydebrand schreibt dazu: „Die Braunschweiger Panzeraufklärer haben diesen Totenkopf mit großem Stolz getragen. Nur hat leider eines Tages einer, dessen Name gnädig verschwiegen sei, bei der Division in Hannover nach offizieller Genehmigung gefragt, und schon war eine fünfzehnjährige stolze Ära beendet.“

 

Der Totenkopf bei Einheiten anderer Länder

Abzeichen der Queens Royal Lancers

Darüber hinaus nutzten und nutzen auch viele Eliteeinheiten andere Nationen das Totenkopfsymbol. So die British Royal Navy Submarine Service und die Queens Royal Lancers, Mussolinis Leibwache, verschiedene US-Einheiten, die kaiserlich russischen Kosaken, polnische Panzerbesatzungen, Finnische Kavallerie und die französische Sicherheitspolizei, um nur einige zu nennen. Bulgarien hatte im Ersten Weltkrieg sogar einen Tapferkeitsorden „mit Totenschädeln“.

Die Tradition der kaiserlichen Leibhusarenregimenter wird im Übrigen weitergepflegt von den  chilenischen Totenkopfhusaren von Angol (Húsares de la Muerte de Angol).

 

Uniform-Beispiele

1= Rittmeister im Kavallerieregiment 5. Dieses 1943 im Osten neu aufgestellte Regiment war der Traditionsträger der beiden Leibhusaren-Regimenter und trug deren Traditionstotenkopf. Außerdem wurde dem Regiment in Jahr 1944 ein Ärmelband mit der Aufschrift „Generalfeldmarschall v. Mackensen“ verliehen.

2 = Unteroffizier im Infanterieregiment 17. Als Traditionsträger des früheren Braunschweigischen Infanterieregiments 92 und des Husarenregiments 17 der alten Armee galten das Infanterieregiment 17 und das spätere Kavallerieregiment 41 der Wehrmacht.

3 = Untersturmführer in einer Artillerie-Einheit der Waffen-SS. Der unterschiedlich gestaltete Totenkopf wurde als Mützenabzeichen von der allgemeinen SS übernommen.

4 = Feldwebel der Panzertruppe des Heeres. Die Kragenpatte mit dem Totenkopf wurde von allen Dienstgraden in derselben Form ohne Rangunterschied getragen.

5 = Mannschaftsdienstgrad der Panzertruppe des Afrika Korps. Tropenuniform.

6 = Obersturmführer (=Oberleutnant) in der 3. SS-Panzerdivision „Totenkopf“ bei einer Grenadiereinheit. Das Totenkopfsymbol wurde bei dieser Truppe zunächst nur am rechten Kragenspiegel getragen, später aber auch am linken, wie hier gezeigt. An der Mütze befand sich ebenfalls ein Totenkopf.

 

Fotobeispiele

Major Breidenbach trägt die Traditionstotenköpfe der Braunschweiger Husaren.Foto: www.photosammler.de

 

Leutnant Ernst August Prinz von Hannover, Aufklärungsabteilung 158 Foto: Sammlung Akira Takiguchi.

 

Dieser Panzersoldat der Wehrmacht trägt die vorschriftsmäßigen Totenköpfe der Panzertruppe. Foto:www.photosammler.de

 

Dieser Panzersoldat der Wehrmacht trägt unvorschriftsmäßig die SS-Totenköpfe für die Mützen der SS und Waffen-SS. Foto:www.photosammler.de

 

 

 

 

 

 

Herausgeber von pzaufkl.de/heeresaufklärer.de. PzAufklAusbKp 3/2, 3./PzAufklBTl 2, BrigSpz 5, Hessisch Lichtenau. div. Wehrübungen. Letzter Dienstgrad Olt.d.R. (vorl.)

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