Hans Joachim von Zieten – der „Stammvater der Husaren“

„Der alte Zieten“

Joachim Hans von Zieten,
Husaren-General, –
dem Feind die Stirne bieten,
er tat es hundertmal.
Sie haben’s all erfahren,
wie er die Pelze wusch
mit seinen Leibhusaren,
der Zieten aus dem Busch.

                Theodor Fontane

 

Unter Trompetengeschmetter stürzen sich am 17. Mai 1741 unweit des schlesischen Rothschlosses bei Mollwitz 600 säbelschwingende preußische Husaren auf 1400 österreichische Kavalleristen. Allen voran reitet Oberstleutnant Hans Joachim von Zieten, der den kecken Überfall gegen den Willen seines Kommandeurs befohlen hat. Die blitzartige Attacke lässt den Gegnern keine Chance. Beim ersten Zusammenprall stieben sie in alle Himmelsrichtungen auseinander. Dies war einer von vielen „Husarenstreichen“, die diese leichte Kavallerie berühmt machten.

Die Ursprünge der Husarentruppe

Ihren Ursprung finden die Husaren in Ungarn als schnelle Eingreiftruppe. Ihre Kampfweise ging auf asiatische Steppenvölker zurück, und hatte sich in den weiten Steppen der Puszta bewährt. Die Osterreicher erkannten früh die Vorteile und warben schon zum Ende des 17. Jahrhunderts Ungarn als Husaren an. Die österreichischungarischen Husaren imponierten auch dem Preußenkönig Friedrich Wilhelm 1. – nicht zuletzt wegen ihrer malerischen Uniformen. Neben den typischen Krummsäbeln trugen die Husaren farbige und mit Stickereien verzierte Uniformjacken. Dazu kamen charakteristische Pelzjacken, die über die linke Schulter geworfen wurden und als Körperschutz dienten. Der Soldatenkönig ließ 1721 mit dem Dragonerregiment 6 unter Generalleutnant von Wuthenau die erste preußische Husarentruppe aufstellen. Einer der ersten Offiziere war Hans Joachim von Zieten, der der „Stammvater der Husaren“ werden sollte.

Zieten – „Stammvater der Husaren“

Anfangs sah es jedoch so aus, als wäre sein Auftritt in der Armee nur von kurzer Dauer. Hans Joachim von Zieten wurde am 15. Mai 1699 in Wustrau bei Neuruppin als Sohn eines Gutsbesitzers geboren. Im Alter von sechzehn Jahren trat er als Infanterist in das preußische Infanterieregiment von Schwendy ein. Fähnrich von Zieten wurde bei Beförderungen viermal übergangen und – nachdem er ein Ersuchen zwecks Beförderung eingereicht hatte – 1724 von Friedrich Wilhelm 1. wegen seiner „kleinen Statur und seiner schwache Stimme“ aus der Armee entlassen.

Wie der Urtyp eines preußischen Offiziers sah Zieten nicht gerade aus: Er war kaum 1,60 Meter groß und sehr feingliedrig. Eine auffallend vorspringende Nase über einem kurzen Schnurrbart und einer vorstehenden Unterlippe prägten sein schmales Gesicht. Seine großen, funkelnden Augen und die hochliegenden Brauen erweckten den Eindruck von Tatendrang und steter Wachsamkeit.

1726 nahm von Zieten einen neuen Anlauf und trat mit einem vom König auf den 1.8.1724 großzügig vordatierten Leutnantspatent in das Dragonerregiment von Wuthenau ein. Zietens Vorgesetzter, ein Stabsrittrneister, ließ keine Gelegenheit aus, den Leutnant zu schikanieren. Zieten ließ sich zu einem Duell hinreißen und büßte dafür mit einem Jahr Festungshaft. Kaum entlassen, forderte der junge Draufgänger seinen Vorgesetzten erneut zum Duell und wieder kam das „Aus“ für die Armee.Doch abermals hatte Zieten Glück: 1730 wurde er rehabilitiert und in das neue Husarenregiment Beneckendorff übernommen.

Verwegene Gestalten mit gezwirbelten Schnurrbärten

Bei den Husaren konnte von Zieten sein kavalleristisches Talent zur Geltung bringen. Auch sein Habitus passte nun zu seinen Soldaten. Das waren verwegene Gestalten mit gezwirbelten Schnurrbärten und den unverwechselbaren drei ungarischen Zöpfen, von denen zwei über die Wangen hingen und einer in den Nacken fiel. An den Enden waren diese Zöpfe mit durchbohrten und eingeflochtenen Pistolenkugeln beschwert, damit sie nicht im Wind flatterten und den Kopf gegen Säbelhiebe schützten.

1735 nahm von Zieten, der inzwischen zum Rittmeister ernannt worden war, mit seiner Eskadron an einer Expedition gegen Frankreich teil. Mut, Kühnheit, aber auch die Fähigkeit, in schwieriger Lage die Ruhe zu bewahren, bestätigten ihm seine Vorgesetzten. Friedrich Wilhelm I.. beförderte Zieten daraufhin im Januar 1736 wegen „erworbener Kriegserfahrung, rühmlichst bezeigter Vigilanz und Tapferkeit“ zum Major im „Leibkorps Husaren“.

Die eigentliche Karriere von Zietens begann jedoch erst unter Friedrich 11. mit der eingangs beschriebenen Attacke bei Rothschloß. Als Dank erhielt er nicht nur den Verdienstorden „Pour le Merite“, sondern wurde, gerade erst Oberstleutnant geworden, zum Oberst und Chef im 2. Leibhusarenregiment befördert. Da die Regimenter nach ihren Chefs benannt wurden, sprach man nun erstmals von „Zieten-Husaren“.

„Zieten aus dem Busch“

König Friedrich II. hatte mit von Zieten einen Glücksgriff getan. Der Regimentschef machte bald durch weitere, ebenso waghalsige wie durchdachte Unternehmen, die meist mit unglaublicher Schnelligkeit abliefen, von sich und seinen Husaren reden. Seine Taktik bestand darin, bei Nacht und Nebel durch Wälder und unwegsames Gelände zu marschieren und unvermutet dort aufzutauchen, wo ihn keiner erwartete. „Zieten aus dem Busch“ wurde bald zum geflügelten Wort. Die taktischen Grundsätze der leichten Kavallerie entwickelte Zieten in den schlesischen Kriegen 1741/42 und 1744/45 zur Meisterschaft.

Zu seinen populärsten Unternehmen gehörte der Aufklärungs- und Beutezug vom Februar 1742. Die Husaren waren bis auf vier Kilometer auf Wien vorgestoßen und lösten unter der Bevölkerung eine Panik aus. Auch vom über 22-stündigen „Zietenritt“ von 1745, bei dem 500 Husaren fast zwanzig Kilometer durch ein von 14000 Österreichern besetztes Gebiet geritten waren, sprach man lange.

Der Zieten-Ritt – mehr als 75 km in 22 Stunden

von Zieten bewies mit seinem „Zieten-Ritt“, wie durch Initiative und Selbständigkeit ein aussichtslos erscheinendes Unternehmen zum Erfolg geführt werden kann:

Im zweiten Schlesischen Krieg (1744-1745) geführt von König Friedrich des Großen gegen Österreich war Markgraf Karl v. Schwedt mit 10 000 Soldaten nach Jägerndorf entsandt, um das dortige Depot zu sichern und Oberschlesien zu schützen. Wegen einer österreichischer Bedrohung sollte er sich mit der Hauptarmee vereinigen. Diese Nachricht konnte trotz mehrerer Versuche nicht an v. Schwedt übermittelt werden, da er inzwischen durch mehrere feindliche Kavallerieregimenter von der eigenen Truppe abgeschnitten war.

Schließlich wurde Zieten der Auftrag erteilt, koste es was es wolle, nach Jägerndorf vorzustoßen und die Botschaft zu überbringen.

Dieser bediente sich einer List: er nutzte die Tatsache, dass die Winterbekleidung seiner Husaren der Uniform ungarischer Husaren ähnelte. Als Österreicher verkleidet überschritt er die Neiße und traf bei Neustadt auf eine gegnerische Marschkolonne die in südliche Richtung schritt. Er erkannte die Gunst der Stunde und schloss sich kurzerhand mit seinen Soldaten an. Dabei ließ er einige geborene Ungarn vorausreiten, um Landsleute in ihrer Sprache anzureden. Dazu ließ er sie ungarische Lieder singen.

So zog das Regiment unter anderem an einem österreichischen Dragoner-Regiment und den Vorposten vorbei, ohne dass jemand die geringste Notiz von ihm nahm.

Als die feindliche Kolonne zu einem Lager bei Rosswald abschwenkte und Zieten ruhig trabend seinen Weg geradeaus fortsetzte, fiel der Schwindel auf. Doch bevor die Verfolgung aufgenommen werden konnte, war der Vorsprung der Zieten-Husaren bereits zu groß.

An der Brücke nordwestlich Dobersdorf stieß man auf eine feindliche Husarenfeldwache, die die Truppe in dem Lager von Soppau alarmierte. Ein Bataillon und zwei Freikompanien versuchten, Zieten den Weg auf Jägerndorf direkt zu verlegen, während von Soppau her Husaren gegen seine linke Flanke vorgingen und von Peterwitz her andere Husarenabteilungen ihm entgegeneilten. Es gelang ihm, die Infanterie unter feindlichem Geschütz- und Gewehrfeuer zu überrennen und sich der Husaren zu erwehren, indem er ihnen einzelne Züge und Eskadrons entgegenwarf.

So erreichte er Türmitz, wohin ihm die eigenen Husaren zu seiner Aufnahme entgegen gerückt waren. Die Bilanz des Ritts: Soldaten: 3 tote, 20 verletzte, 2 vermisste; Pferde: 6 tote, 30 verwundete, 6 vermisste.

Der Durchbruch zur Hauptarmee gelang bravourös. Die vereinten Kräfte siegten ausschließlich in der Schlacht von Hohenfriedberg. Der „Zieten-Ritt“ hatte dazu die Voraussetzungen geschaffen und verhalf dem General der Kavallerie zu dem Namen „Zieten aus dem Busch“.

In der Taktik um 100 Jahre voraus

In Friedenszeiten reorganisierte von Zieten im königlichen Auftrag die preußische Reiterei. Ein Reglement für die Husarenregimenter sah vor, dass diese Aufklärungs- und Vorpostendienste übernehmen, Deserteure einfangen, Versorgungstransporte sichern und Streifzüge ins feindliche Hinterland unternehmen sollten.

Exerzieren und Kasernenhofdrill gehörten nicht zu Zietens Stärken. Es gab an Ordnung und Ausbildung in seinem Regiment manches auszusetzen. Immerhin war Zieten derjenige, der in seinem Verband die Prügelstrafe abgeschafft hatte. Dem König waren diese Zustände ein Dorn im Auge, und er beauftragte General v. Winterfeld mit Organisation und Ausbildung der Husaren. Winterfeld formierte die Zietenhusaren zur Linienkavallerie. Schwadrons- und regimentsweise attackierten die Husaren nun in geschlossenen Linien. So konnten sie eine dritte Angriffslinie hinter Kürassieren und Dragonern bilden. Mit dieser Taktik waren die Preußen den anderen europäischen Staaten um 100 Jahre voraus. Friedrich der Große, 1741 noch der Ansicht, die preußische Kavallerie sei „nicht wert, dass sie der Teufel holt!“, zeigte sich dann auch zufrieden. Die Reitertruppe, so befand er , sei „im besten Zustand der WeIt“.

Die Rückkehr in den Dienst

1756 nahm von Zieten, gesundheitlich schwer angeschlagen, seinen Abschied. Aber neue Kriegswirren kündigten sich an. König Friedrich selbst suchte den General eines Abends auf und bat ihn, in den aktiven Dienst zurückzukehren. Den Beschwörungen des Monarchen, dass „ein so treuer General unmöglich beim nahen Ausbruch eines gefährlichen Krieges seinen König und sein Vaterland verlassen könne, denn beide haben auf ihn ihr ganzes Vertrauen gesetzt,“ konnte Zieten nichts entgegensetzen. Im August 1756 wurde er zum Generalleutnant ernannt.

Im siebenjährigen Krieg zeichneten sich die Zieten-Husaren durch drei entscheidende Einsätze aus: In der Schlacht bei Leuthen 1757, bei der 85000 Österreicher 34000 Preußen gegenüberstanden, siegten die Preußen dank Friedrichs genialer Schlachtordnung und Zietens wendiger Attacken in die offenen Flanken des Gegners. Napoleon bezeichnete die Schlacht später als ein „Meisterstück von Bewegung, Manövern und Entschlossenheit“. Bei Leignitz hielt Zieten am 15. August 1760 das österreichische Hauptheer durch Ablenkungsmanöver vom Kampfgeschehen zurück. In der Schlacht von Torgau am 3. November 1760 riss er in letzter Minute durch einen Blitzangriff das Ruder herum und machte aus der – schon nach Wien gemeldeten – Niederlage Friedrichs einen Sieg.

Die Rückkehr Zietens nach Berlin 1863 glich einem Triumphzug. Immerhin war der Preuße einer der wenigen Generale, die den Krieg überlebt hatten. Von nun an residierte Zieten abwechselnd in Berlin und in Wustrau, beaufsichtigte sein Husarenregiment, nahm auch Einfluss auf die Ausbildung, leistete jedoch – von Krankheit gezeichnet – keinen aktiven Dienst mehr. Aus diesem Grund lehnte der König auch seine Beteiligung am Feldzug 1778 ab, obwohl Zieten, inzwischen General der Kavallerie, auch hier noch im Alter von 79 Jahren seinen Mann stehen wollte.

„Vater Zieten“

Am 26. Januar 1786 starb Hans Joachim von Zieten in Berlin. Sein Name war inzwischen Pseudonym für Reitergeist und Husarentum geworden. Seine militärische Tüchtigkeit sollte später als Vorbild für Heerführer wie Blücher, von Schill oder Feldmarschall von Mackensen dienen. Aber auch als Menschenführer war von Zieten Inbegriff des Vorreiters. Nicht umsonst wurde er von seinen Husaren liebe- und ehrfurchtsvoll „Vater Zieten“ genannt.

Die 3. Kompanie im Panzeraufklärungslehrbataillon 3 hat den Auftrag übernommen, die Tradition des Husarenregimentes Nummer 3 „von Zieten“ weiterzuführen. Mit dem Torgauer Marsch als dem Bataillonsmarsch des PzAufklLBtl 3 wird die Verbundenheit und die Fortführung der Zietenschen Prinzipien und Ideen verankert.

Quellen:
o.A., „… setze Auftrag weiter fort“ – Panzeraufklärungsbataillon 3 1984-1994, Lüneburg 1994, S. 9 ff.
Jendrick Schmidt, Lt dR (PzAufklBtl 13 Gotha), Zieten-Ritt, Unterrichtsmaterialien für die Ausbildung.

Vielen Dank an Jendrick Schmidt, der mir seine Unterlagen zum „Zieten-Ritt“ überlassen hat!

Herausgeber von pzaufkl.de/heeresaufklärer.de.
PzAufklAusbKp 3/2, 3./PzAufklBTl 2, BrigSpz 5, Hessisch Lichtenau.
div. Wehrübungen. Letzter Dienstgrad Olt.d.R. (vorl.)

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