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Informationsverbund Aufklärung
15.02.2012 von w.schmid

Die Heeresaufklärungstruppe ist eine Truppengattung im Heer der Bundeswehr. Die Truppengattung zählt zu den Einsatz- und Führungsunterstützungstruppen. Die Heeresaufklärungstruppe ist der wesentliche Träger der Aufklärung des Heeres. Sie hat den Auftrag mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln alle Aspekte der taktischen Gefechtsfeldaufklärung abzudecken und so die Voraussetzung zur Erstellung eines möglichst realen militärischen Lagebildes für die Kommandeure der Kampftruppen sicherzustellen.

In die Truppenteile anderer Truppengattungen sind weiter aufklärende Kräfte des Heeres organisch eingegliedert. Diese zählen jedoch – genauso wie Aufklärungskräfte in den anderen Teilstreitkräften und Organisationsbereichen der Bundeswehr – nicht zur Heeresaufklärungstruppe. Beispiele sind die Aufklärungs- und Verbindungszüge der Stabskompanien einiger Bataillone, sowie die Aufklärungszüge in den schweren Kompanien der Infanteriebataillone. Die vier Aufklärungszüge in den Kompanien der Gebirgsjägerbataillone und des Jägerbataillon 292 sind mit dem Spähwagen Fennek ausgestattet. Die sechs Aufklärungszüge in den schweren Kompanien der Fallschirmjägerbataillone und des Jägerregiment 1 verfügen für die gleiche Aufgabe über Wiesel 1.

Weiterhin verfügt die Artillerietruppe über aufklärende (bzw. beobachtende) Artillerie, darunter weiterhin auch Truppenteile, die die Aufklärung durch Drohnen sicherstellen. Über eigene spezialisierte Kräfte zur Aufklärung verfügen im Heer außerdem die Heereflugabwehrtruppe zur Aufklärung feindlicher Luftfahrzeuge, sowie die Fernmeldetruppe, die eine eigene Fernmeldeaufklärung betreibt, sowie die Spezialkräfte, die über besonders ausgebildete Fernspäher verfügt. Auch die Heersfliegertruppe unterstreicht durch die sich im Zulauf befindlichen zur Aufklärung befähigten UH Tiger, das auch sie zukünftig weiterhin durch eigene Mittel Gefechtsfeldaufklärung betreiben wird.

Im weiteren Sinn sind besonders in der Streitkräftebasis Truppenteile ausgeplant, die den Aufklärungskomplex der Bundeswehr auf strategischer Ebene ergänzen. Dazu zählen beispielsweise das Zentrum Operative Information, das Amt für den Militärischen Abschirmdienst und das in Masse der Fernmeldetruppe EloKa zuzuordnende Kommando Strategische Aufklärung, das über besondere Fähigkeiten in der Fernmelde- und Elektronische Aufklärung und der satellitengestützten abbildenden Aufklärung verfügt. Weiterhin verfügen die Teilstreitkräfte Marine und Luftwaffe über eigene Kräfte zur Aufklärung. Während die hinsichtlich ihrer Namensgebung (Präfix: „Heeres-“) ähnlichen Heereslogistiktruppe mit der Logistiktruppe in der Streitkräftebasis ein Pendant aufweist, existiert in der Bundeswehr außerhalb des Heeres aber keine dem Namen nach angelehnte „Aufklärungstruppe“.

Ein Ziel der Transformation der Bundeswehr ist, die Aufklärungsergebnisse aller beschriebenen Aufklärungskräfte im Heer, im erweiterten Konzept Aufklärungsergebnisse aller Teilstreitkräfte und Organisationsbereiche (z.B. der Forward Air Controller oder fliegender Verbände der Luftwaffe), umfassend und schnell allen militärischen Führern truppenteilübergreifend zur Verfügung zu stellen. Im Heer wurden dazu auf operativer Ebene beispielsweise Joint Fire Support Teams gebildet, die ehemals isolierte Aufklärungskräfte mehrerer Truppengattungen (z.B. Vorgeschobene Beobachter der Artillerietruppe) bündeln. Die Bildung der Heeresaufklärungstruppe muss ebenfalls unter dem Aspekt einer Zusammenfassung verschiedener Aufklärungskräfte gesehen werden. Ziel ist auch die Heereaufklärungstruppe noch umfassender in die Aufklärungsverbünde der Bundeswehr zu integrieren.

Aufklärungfähigkeiten des Heeres

Folgende Fähigkeiten muss das Heer im Verbund bereithalten, um seinen speziellen Aufklärungsbedarf zu decken:

  • Spähaufklärung und Befragung als Auftrag der Heeresaufklärungstruppe, der Fernspäher und der Feldnachrichtenkräfte.
  • Signalerfassende Aufklärung zur Aufnahme und Auswertung aller Ausstrahlungen im nutzbaren Frequenzspektrum, die zur Führung, Aufklärung und Waffenleitung sowie zur Navigation und Ortung dienen - als Auftrag der Fernmeldetruppe EloKa.
  • Abbildende und akustische Aufklärung, mit den Möglichkeiten der Schall-, Radar- und Bildaufklärung - im Kern als Auftrag der Artillerietruppe. Im kleinräumigen Bereich aber auch Aufgabe der Heeresaufklärungstruppe mit ihren Möglichkeiten der Radaraufklärung und der Bildaufklärung mit Drohnen.


    Signalerfassende Aufklärung liefert Erkenntnisse über die gegnerische Führungsorganisation und -struktur, Kräfte und Mittel, Kräfteverteilung und -bewegung, mögliche Absichten sowie Kräfte in der Tiefe. Sie klärt raumdeckend aktive Strahler auf und schafft Voraussetzungen für den zielgerichteten Ansatz anderer Kräfte und Mittel. Sie besitzt die Fähigkeiten, ununterbrochen, abstandsfähig, allwetterfähig und passiv zu wirken. Bereits heute kann sie im HF-Bereich weltweit sowie im VHF-EHF-Bereich Funkverbindungen und Radargeräte unter quasi optischen Sichtbedingungen bis zu einer Entfernung von 80 km aufklären.

    Zukünftig wird es möglich sein, die physikalische Beschränkung im Nahbereich durch die Nutzung signalerfassender Drohnen aufzuheben und so alle Frequenzbereiche auch in der Tiefe des Raumes aufzuklären. Mit tragbaren Geräten können Kräfte ausgestattet werden, die schnell über weite Entfernungen zu verlegen sind und unverzüglich im Einsatzraum die Fähigkeit zur signalerfassenden Aufklärung benötigen. Untersucht werden u.a. Möglichkeiten, Signale moderner Sensoren wie Infrarot und Laser aufzuklären.

    Generell zielt die Weiterentwicklung der signalerfassenden Aufklärung auf eine Vergrößerung der abzudeckenden Fläche und auf Herausfilterung der Signale mit den für die eigene Führung entscheidenden Informationen.

    Die abbildende und akustische Aufklärung mit ihren Möglichkeiten Abschüsse, Flugbahnen, Gefechtsfahrzeuge, Gefechtsstände und Einrichtungen aufzuklären, liefert mit Bildern letztendlich Beweise für Vermutungen - rund um die Uhr und bei nahezu jedem Wetter. Die Aufklärungsmittel werden auf der Grundlage erster Ergebnisse des Informationsverbundes eingesetzt, um das Lagebild zu verdichten, vorhandene Erkenntnisse zu bestätigen und Bekämpfungsgrundlagen zu gewinnen.

    An dieser Stelle ist anzumerken, dass die Kategorisierung in Lage-, Ziel- und Wirkungsaufklärung an Bedeutung verliert. Kräfte und Mittel der klassischen Lageaufklärung werden zukünftig Zieldaten liefern und umgekehrt Die Aufklärungsergebnisse werden echtzeitnah dem verfügbar gemacht, der sie braucht - egal ob zum Schießen oder zur Beurteilung der Lage.

    Die Weiterentwicklung der abbildenden und akustischen Aufklärung wird in besonderem Maße von den rasanten technischen Fortschritten auf dem Gebiet der Sensorik und der Bereitstellung der Aufklärungsergebnisse in nahezu Echtzeit geprägt.

    Gerade bei den luftgestützten Systemen ist diese Entwicklung augenfällig. So wird es z.B. durch die Kampfwertsteigerung bei der eingeführten weitreichenden Drohne CL-289 möglich, den mit einem System aufzuklärenden Raum und die Qualität der Ergebnisse bei nahezu jedem Wetter zu vervielfachen.

    Mit einem anderen luftgestützten System, dem KZO (Kleinzielortungsgerät), werden im Bereich bis 70 km Identifizierung und Verfolgung von Zielen sowie Überwachung von Räumen möglich. Der Flugkörper ist als Träger weiterer Rüstsätze, wie z.B. Millimeterwellenradar zur Aufklärung von Objekten hinter Tarnung/in Gebäuden, Laserradar, Multispektralsensoren geeignet.

    In die Kategorie der luftgestützten, abbildenden Systeme gehört als Drohne auch LUNA, die für die Abdeckung des Bereiches bis 40 km geeignet erscheint. LUNA ist das Mittel, um den Aufklärungsbedarf der Brigade abzudecken. LUNA scheint auch geeignet als Träger für andere Sensorik, deren Wirksamkeit von der Möglichkeit relativ geringer Geschwindigkeiten abhängt, wie z.B. für die Detektion verdeckt verlegter Minen.

    Kleinster Spross in der Familie der luftgestützten Systeme ist die Mikrodrohne MIKADO. Sie kann als echte "Kofferlösung" mit einem Minimum an Peripherie im Nahbereich wertvolle Aufklärungsdienste leisten.

    Spähaufklärung und Befragung verifizieren und verdichten die Ergebnisse der signalerfassenden, abbildenden und akustischen Aufklärung. Sie ist das Mittel für den Truppenführer, um begrenzte Räume und Feindkräfte oder Konfliktparteien zeitlich nahezu unbegrenzt mit Aufklärung zu "überziehen". Spähtrupps wirken als sensibelstes Instrument im Zusammenspiel aller Kräfte und Mittel.

    Heeresaufklärer liefern keine Momentaufnahmen und Teilergebnisse aufgrund ausgewählter Sensorik, sondern bewertete Lagebilder. Die Schwächen der Spähaufklärung sind die Abhängigkeit vom Gelände, die vergleichsweise geringe Mobilität und die nie auszuschließende Gefährdung von Menschenleben.

    Auftrag und besondere Fähigkeiten der ebenfalls goldgelb tragenden Kameraden der Fernspäher der und Feldnachrichtenkräfte sind bekannt. Vieles, was im Folgenden über die Spähtrupps der Heeresaufklärungstruppe gesagt ist, gilt im Grundsatz auch für sie. Bindeglieder sind die Artverwandtschaft der Aufträge und der Mann vor Ort. Der Unterschied zwischen einem Trupp der Feldnachrichtenkräfte, der zielorientierte Gesprächsführung betreibt, und einem Spähtrupp, der absitzt und Gesprächsaufklärung durchführt, ist nicht sehr groß.

    Die Weiterentwicklung wird im Kern bestimmt durch die Nutzung moderner Informationstechnologie, um Aufklärungsergebnisse verzugslos in den Informationsverbund eingeben und aus ihm empfangen zu können, und von Datenbanken, in denen detaillierte Informationen aus allen verfügbaren Quellen bereitgehalten werden, um z.B. dem Befrager über Hintergrundwissen die überlegene Kompetenz zu geben.

    Letzte Aktualisierung Februar 2012


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