Spähpanzer und Spähwagen der Bundeswehr

Auch für die Aufgaben eines Spähpanzers stand in der Gründerzeit der Bundeswehr kein optimales Fahrzeug auf dem Markt zur Verfügung. Erprobt wurden in Munster u.a. der französische 8-Rad Spähpanzer EBR 75 von Panhard sowie der leichte britische Spähwagen „Ferret“ Mk.2/3. Der Ferret wies u.a. eine unzureichende Geländegängigkeit auf; der EBR 75 zeichnete sich durch eine äußerst komplexe Kraftübertragung aus; beide Fahrzeuge waren auch aus ergonomischer Sicht unbefriedigend.

Bren Carrier / Universal Carrier
Die britische Tankette aus dem Zweiten Weltkrieg wurde von der jungen Bundeswehr als Truppen- und Materialtransporter beschafft. Die niedrige Silhouette und seine Geschwindigkeit ließen ihn in der Bundeswehr als leichter Aufklärungspanzer geeignet erscheinen. Er wurde zumindest für eine gewisse Zeit als Halbgruppenfahrzeug, bestückt mit einem MG, eingesetzt und diente – zusammen mit dem M 41 – in den ersten Panzeraufklärungsbataillonen der Heeresstruktur 1. Ab 1960 wurde der Bren Carrier durch den Schützenpanzer kurz (SPz 10) Hotchkiss ersetzt.

M 41 Walker Bulldog
Es wurde zuerst der US-Panzer M 41 „Walker Bulldog“, der ursprünglich für die US Army als luftverlastbarer, leichter Kampfpanzer konzipiert war, in den Aufklärungsbataillonen als Spähpanzer eingesetzt. Der M 41 war mit einer Höchstgeschwindigkeit von über 65 km/h relativ schnell und besaß eine recht leistungsfähige 76 mm Panzerkanone – allerdings war er recht groß und erreichte im Bestfall einen Fahrbereich von nur 175 km (Straße). Der M41 wurde schließlich in den schweren Aufklärungskompanien von den Kampfpanzern M 48, Leopard 1 und Leopard 2 abgelöst.

SPz-Kurz Hotchkiss
Ab 1958 wurde bei den Aufklärungskompanien der Brigaden zusätzlich der SPz-Kurz („Hotchkiss“) Typ 11-2 mit manuell schwenkbarem Turm mit 20-mm-HS 820/L85 Maschinenkanone für Aufklärungsaufgaben eingesetzt. Die geringe Fahrzeuggröße war für den Aufklärungseinsatz zwar günstig, beschränkte aber die Geländegängigkeit des Fahrzeugs; unter günstigen Randbedingungen konnte mit einer Tankfüllung ein Aktionsradius von knapp 400 km erreicht werden – bei Geländefahrt reduzierte sich der Fahrbereich auf ca. 200 km. Kurzzeitig wurden auch unbewaffnete Muster des SPZ kurz eingesetzt, z.B. der SPz Cargo (Typ 42-1). Der SPz kurz (Typ 91-2) diente in der Panzeraufklärungstruppe auch als Radaraufklärungspanzer mit Gefechtsfeldradar AN/TPS 33a sowie als San-Fahrzeug (Typ 2-2).

Prototyp: Spähpanzer RU 251
Ein weiterer Neuansatz wurde 1960 verfolgt, als der Führungsstab des Heeres eine Spähpanzerversion im Rahmen der „SPz-neu“-Familie mit einer 90 mm-Panzerkanone in Drehturm forderte; ein Prototyp des RU 251 genannten Fahrzeugs konnten 1963 fertig gestellt werden. Da in diesem Zeitraum die schweren russischen Aufklärungseinheiten mit den KPz T-54/ 55 ausgerüstet wurden, erschien die 90 mm PzK nicht mehr ausreichend – das Vorhaben wurde aufgegeben.

SpähPz 2 „Luchs“
Da die operative Beweglichkeit der Fahrzeuge M 41 und Hotchkiss unzureichend war, wurden im Jahr 1965 neue militärische Forderungen für einen leistungsfähigeren und beweglicheren Spähpanzer erlassen. Ein entsprechender Entwicklungsauftrag ging im Jahr 1966 zunächst an das sog. „Gemeinschaftsbüro“ – ein Zusammenschluss der Firmen Büssing; Rheinstahl-Henschel, KHD; Krupp und MAN; die Prototypen besaßen einen luftgekühlten Deutz- Motor und eine Einzelradaufhängung mit längsliegenden Drehstäben. Später entwickelte auch Fa. Daimler-Benz – zunächst auf eigene Kosten und in Konkurrenz – ein eigenes Modell (flüssigkeitsgekühlter Motor und Starrachsen mit Schraubenfedern).

Nach intensiven Vergleichstests (ab 1968) bei den Erprobungsstellen E 41 in Trier und E 51 in Koblenz-Metternich wurde 1971 die Auswahlentscheidung zu Gunsten des DB-Modells getroffen. Im Zeitraum 1975 – 1977 erfolgte bei Fa. Rheinstahl-Transporttechnik in Kassel die Fertigung von 408 Spähpanzer 2 „LUCHS“ (Stückpreis ca. 850 000 DM). Die geforderte Schwimmfähigkeit führte leider zu einem relativ großen Fahrzeug (Höhe: 2,84 m!) – insgesamt erfüllte der SpähPz „LUCHS“ aufgrund seiner hohen operativen Beweglichkeit (Fahrbereich: bis 780 km), seiner Schnelligkeit und seiner sehr geringen akustischen Signatur seine Aufgaben recht gut. Ab 1985 erfolgte eine Kampfwertsteigerung zur Version A2 (Wärmebildgerät; Doppelgurtzuführer, neue Reifen; leistungsfähigere Fm-Ausstattung usw.). Problematisch blieben die Empfindlichkeit des Fahrwerks sowie von Teilen der Kraftübertragung gegenüber Überbelastungen.

Experimentalfahrzeug Zobel
Für ein Nachfolgemodell des SpähPz „LUCHS“ wurden relativ frühzeitig (1988) die entsprechenden militärischen Forderungen erlassen; das Gefechtsgewicht wurde auf 7,5 to begrenzt; es wurde Schwimmfähigkeit und ein Rückwärtsfahrer gefordert; das Fahrzeug sollte ab 1994 eingeführt werden; geplante Stückzahl: 800 Fahrzeuge! Bereits 1989 konnte das Experimentalfahrzeug „ZOBEL“ von der Essener Firma „Gesellschaft für Systemtechnik“ (GST) in eine umfangreiche Erprobung gehen.

Spähwagen Fennek
Das pfiffige Konzept zeigte gute Erprobungsergebnisse und erfüllte die mil. Forderungen zu 88%. Auf dem Weg zur Ausschreibung für die Serienfertigung erfolgte 1993 eine einschneidende Umorientierung: die politische Vorgabe forderte bei dem Spähpanzer-Programm eine Kooperation mit den Niederlanden – damit war die Übernahme des niederländischen Fahrzeugkonzeptes von Fa. DAF verbunden. Aufgrund der neuen Randbedingungen schloss Fa. Wegmann&Co (Kassel) mit Fa. DAF ein Kooperationsabkommen für die Weiterentwicklung des leichten Spähwagens ab. Beide Firmen bauten im Zeitraum 1996/97 vier Truppenversuchsmuster, die anschließend intensiv erprobt wurden. Der Weg bis zum Serienvertrag war nochmals mit vielen technischen wie auch administrativen Schwierigkeiten verbunden; zwischenzeitlich wurden der Bedarf für die Bundeswehr auf 202 Fahrzeuge reduziert. Schließlich konnte nach Überwindung aller Schwierigkeiten am 10. Dez. 2003 der erste Spähpanzer „FENNEK“ an die Bundeswehr übergeben werden. Der SpähPz „FENNEK“ zeichnet sich durch eine sehr niedrige Silhouette aus (H = 1,79 m); im (statischen) Späheinsatz kann eine Beobachtungsplattform auf eine Höhe von 3,30 m ausgefahren werden. Bei der Konzeption wurde großer Wert darauf gelegt, dass die aus drei Soldaten bestehende Besatzung einen 5-tägigen Einsatz autonom erfüllen kann. Die Umsetzung der relativ hohen Schutzforderungen ließ allerdings das Gefechtsgewicht auf 10,5 to ansteigen.

Quelle:

Rolf Hilmes, 50 Jahre Deutsche Bundeswehr 50 Jahre gepanzerte Fahrzeuge für das Heer. Schwarzes Barett 2004, Heft 34.

https://www.panzertruppe.com/detailansicht/nr-31-juli-2004.html

Herausgeber von pzaufkl.de/heeresaufklärer.de. PzAufklAusbKp 3/2, 3./PzAufklBTl 2, BrigSpz 5, Hessisch Lichtenau. div. Wehrübungen. Letzter Dienstgrad Olt.d.R. (vorl.)

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