Das schwarze Barett

Warum tragen Aufklärer das schwarzes Barett der Panzertruppen? Aufklärungstruppen gehören eigentlich zu den zu den Führungs- und Unterstützungstruppen – und deren Barett ist korallenrot. Doch das war nicht immer so: Die Panzeraufklärer waren lange Zeit eine gepanzerte Kampftruppe. In den 1980er Jahren waren die Panzeraufklärungsbataillone die kampfstärksten Bataillone der Bundeswehr. Diese historische Reminiszenz und der traditionsbewusste Corpgeist der Truppe bewogen die Planer, der Truppe das schwarze Barett auch weiterhin zuzugestehen.

1930er Jahre: die schwarze Panzer-Schutzmütze
Mit der Aufstellung der deutschen Panzertruppe in den 30er Jahren wurde die schwarze Panzer-Schutzmütze für alle Angehörigen dieses Truppenteils eingeführt. Die Schutzmütze bestand aus zwei Teilen: Ein leichter, großer Überzug gleich einer Baskenmütze und ein wollener Teil, der eine dicke Filzauflage trug und über dem sechs Lagen schwarzen Öltuchs lagen. Der „“Stoßdämpfer““ hatte ein ledernes Schweißband und sechs von Gummi eingefasste Luftlöcher.Vorn auf der Schutzmütze saß das maschinengestickte Hoheitsabzeichen mit Eichenlaub und Kokarde in Silber auf schwarzem Untergrund.

Foto: Hptm. Oskar Munzel, Chef 5.Pz.Rgt.60, er führte später im Zweiten Weltkrieg als Kommandeur die 14. Panzer-Division und die 2. Panzer-Division. 1956 war Munzel als Brigadegeneral Kommandeur der Panzertruppenschule der Bundeswehr in Munster.

Die Schutzmütze wurde bis zum Winter 1939/40 getragen und durch die schwarze Ausführung der Feldmütze M1938 (Schiffchen) ersetzt, da sie sich in der Praxis als sehr störend im Panzer erwies.

1956: die große Verwirrung
1956 fuhren die Panzerbesatzungen zunächst im ersten Bw-Kampfanzug aus Zeltbahnstoff mit dem Tarnmuster der Zeltbahnen der Wehrmacht; dazu wurde meist die graue Skimütze/Bergmütze des Dienstanzugs getragen, manchmal die Arbeitsmütze, in seltenen Fällen illegal beschaffte graue Schiffchen. Manchmal fuhren die Besatzungen auch im grauen Dienstanzug.

Erst gegen Mitte bis Herbst 1959 wurde, gleichzeitig mit dem ersten sandfarbenen Parka und dem über Jahrzehnte getragenen sandfarbenen Arbeits- und Kampfanzug erstmals eine Panzerkombi gleicher Farbe eingeführt. Man erinnerte sich an die Panzerschutzmütze der ehemaligen Wehrmacht und führte eine nahezu identische Schutzmütze ein, die sich nur durch die Verwendung anderer Materialien sowie in der Farbe unterschied. Die Stoffteile waren nun nicht mehr schwarz, sondern aus olivgrünem Wolltuch. Vorn an der Mütze befanden sich die bundesdeutsche Kokarde sowie gekreuzte Schwerter. Zeitgleich führte man auch ein Barett aus demselben olivgrünen Wolltuch und mit denselben Abzeichen ein. Diese beiden Kopfbedeckungen wurden in der Panzertruppe neben Schirmmütze, Schiffchen und Feldmütze bis 1971 getragen. Hptm. d.R. v. Heydenbrand erinnert sich: „Es sah ziemlich scheußlich aus, und deswegen bevorzugten die Offiziere der Panzeraufklärer das bis 1963 nicht offiziell eingeführte hellgraue Schiffchen.“

Endlich: das schwarze Barett!
Im Jahre 1971 erfolgte die Einführung des schwarzen Panzerbaretts. Der Führungsstab des Heeres ordnete am 27.04.1970 nach Genehmigung durch den Bundespräsidenten an: „Das schwarze Barett tragen alle Soldaten der Panzerbataillone und Panzerregimenter sowie der Panzeraufklärungsbataillone und der BrigSpähzüge. Es ersetzt die Schirmmütze und das Schiffchen. Es wird zu allen Anzügen, also Ausgehanzug, Dienstanzug, Kampfanzug getragen, sowohl im Dienst als auch außer Dienst und zu gesellschaftlichen Veranstaltungen“.

Ende April 1971 wurden Baretts zunächst nur für Panzer, Panzeraufklärer, Fallschirmjäger und Jäger eingeführt. Die Aufklärer trugen damals das Abzeichen mit dem Kampfpanzer, identisch mit dem der Panzertruppe. Dieses Abzeichen aus Neusilber in Form eines Kampfpanzers in einem Eichenlaubkranz war links vorn am Barett angebracht. Echte Aufklärer unterlegten es goldgelb.

 

 

Das Abzeichen wurde zu Anfang der 80er Jahre dahingehend geändert, dass man unten im Eichenlaubkranz eine schwarz-rot-goldene Flagge einfügte. Erst als alle Heeressoldaten das Barett verordnet bekamen und damit die Fülle der Barett-Abzeichen mit schwarz-rot-gold im Unterteil auftrat, erhielten die Aufklärer ihr heutiges Spähpanzer-Abzeichen.

 

 

Goldgelbe Marotten


Eine der Marotten der Aufklärer – ihre starke Affinität zur Waffenfarbe – wird auch bei der Kopfbedeckung gepflegt, wenn auch (für manche leider) im Verborgenen: Goldgelber Futterstoff im schwarzen Barett schmeichelt nicht nur der Kopfhaut, sondern auch dem Waffenstolz.

Auch das Feld unter dem Metallanzeichen kann man mit Filz goldgelb unterlegen. Und das Abzeichen der PzAufkl-Truppe wurde inzwischen auch in der gestickten Version veredelt – mit goldenen Fäden!

 

Sie werden immer kleiner!
Seit vielen Jahren übrigens kann man bei den Barrets – nicht nur der Panzertruppe – die „französische Krankheit“ beobachten: sie werden immer kleiner! Schleichend ersetzt das französische „Plein Ceil“-Barett mit der kleinen Kappe den deutschen „Pizza-Hut“.

Es geht kaum noch kleiner: Christian Trull, ehem. General der Panzertruppen und Kommandeur der Panzertruppenschule.

 

Herausgeber von pzaufkl.de/heeresaufklärer.de. PzAufklAusbKp 3/2, 3./PzAufklBTl 2, BrigSpz 5, Hessisch Lichtenau. div. Wehrübungen. Letzter Dienstgrad Olt.d.R. (vorl.)

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